SanDisk ist über Nacht um 600 Milliarden gestiegen, aber mich interessiert nur eines: Kann ich diesen Kuchen bis 2028 essen?
Am 13. August veranstaltete SanDisk einen Investorentag.
Das war keine gewöhnliche Telefonkonferenz zur Finanzberichterstattung, sondern die wichtigste strategische Kommunikation seit der Abspaltung von Western Digital.
Warum ist das wichtig? Weil der Aktienkurs von SanDisk seit dem historischen Höchststand von 2354 USD im Juni fast halbiert wurde.
Der Markt stellt eine Frage: Wie lange kann die Geschichte des AI-Speichers noch erzählt werden?
SanDisks Antwort hat die Wall Street direkt verblüfft.
Zuerst die Zahlen:
Für die Geschäftsjahre 2028 bis 2030 wird ein mittleres bis hohes zweistelliges Umsatzwachstum erwartet.
Die Non-GAAP-Bruttomarge bleibt bei etwa 80 %.
Die Non-GAAP-Betriebsgewinnmarge liegt bei etwa 75 %.
Die bereinigte Free-Cashflow-Marge beträgt etwa 50 %.
Die Betriebskosten machen nur 5 % des Umsatzes aus.
Noch beeindruckender: Nach Abschluss der Geschäftsinvestitionen werden 100 % des überschüssigen Cashflows an die Aktionäre zurückgegeben.
Goldman Sachs setzte das Kursziel direkt auf 2200 USD und sieht noch ein Potenzial von 44 %.
Ein Speicherchip-Unternehmen mit einer Bruttomarge von 80 %.
Wissen Sie, wie hoch die Bruttomarge von Apple ist? Etwa 46 %.
Nvidia liegt auch nur knapp über 70 %.
SanDisk sagt: Ich will 80 % erreichen.
Aber Moment – so schön die Geschichte auch erzählt wird, so groß der Kuchen auch gemalt wird, ob man ihn wirklich essen kann, ist eine andere Sache.
SanDisk weiß selbst, was der Markt befürchtet.
Die Speicherbranche hat einen berüchtigten Charakterzug: eine extrem starke Zyklizität.
Wenn es steigt, steigt es himmelhoch, wenn es fällt, fällt es so tief, dass niemand es wiedererkennt.
Im vergangenen Jahr stieg der Aktienkurs von SanDisk von etwa 40 USD auf über 2300 USD und fiel dann wieder fast halbiert.
Wer wagt es da, langfristig zu halten?
Deshalb hat SanDisk diesmal einen Trumpf ausgepackt – das NBM-Langzeitkundenabkommen.
Einfach gesagt: Kunden sichern ihre Bestellungen im Voraus, ich sichere die Kapazitäten im Voraus, und gemeinsam glätten wir die Zyklen.
Derzeit hat SanDisk mit 8 Kernkunden Vereinbarungen getroffen, darunter 3 der führenden großen US-Cloud-Service-Anbieter.
Diese Vereinbarungen decken etwa 50 % der Speicherkapazität im Geschäftsjahr 2027 und zwei Drittel der Kapazität im Geschäftsjahr 2028 ab.
Der Gesamtwert der Verträge beträgt etwa 94 Milliarden USD.
Selbst bei den Mindestpreisen der Verträge kann die Bruttomarge 80 % erreichen.
Das ist die Grundlage für SanDisks Selbstbewusstsein, eine Bruttomarge von 80 % zu verkünden – zwei Drittel der Kapazität sind bereits fest gebunden, die Preise sind ebenfalls fixiert.
Kommen wir zur Technik.
SanDisk setzt auf eine neue Technologie namens HBF (High Bandwidth Flash).
Einfach gesagt, kombiniert diese Technologie die hohe Lese- und Schreibgeschwindigkeit von Hochbandbreitenspeicher mit der großen Kapazität traditioneller Flash-Speicher.
Sie löst speziell das Speicherengpassproblem in der AI-Inferenzphase.
Anfang August veröffentlichte SanDisk gemeinsam mit SK Hynix die erste Standard-Spezifikation für HBF.
Der erste HBF-Speicherchip hat die Fertigung abgeschlossen, und erste Muster sollen voraussichtlich im nächsten Jahr geliefert werden.
Das ist das nächste Schlachtfeld im AI-Speicherbereich.
Goldman Sachs sagt, dass die technische Roadmap von HBF SanDisk ein „riesiges Aufwärtspotenzial“ bietet.
Aber – ich muss ein „Aber“ sagen.
Goldman Sachs selbst räumt ein: Ob das NBM-Abkommen die Branchenzyklen wirklich glätten kann, muss sich erst noch zeigen.
Der Vertrag ist unterschrieben, aber werden die Kunden wirklich vertragsgemäß kaufen? Kann die Preisuntergrenze gehalten werden? Was, wenn die Marktnachfrage plötzlich einbricht?
All das sind Fragezeichen.
Der Aktienkurs von SanDisk ist in diesem Jahr bereits um über 600 % gestiegen.
Jede kleine Bewegung könnte eine Korrektur von 30 % auslösen.
Zum Schluss ein paar ehrliche Worte –
dieser Investorentag hat dem Markt drei Dinge gegeben:
Erstens eine schöne langfristige Geschichte (80 % Bruttomarge, 100 % Cash-Back).
Zweitens einen glaubwürdigen Umsetzungsmechanismus (NBM-Abkommen sichert zwei Drittel der Kapazität).
Drittens einen zukünftigen Wachstumsmotor (HBF-Technologie).
Aber eine Geschichte bleibt eine Geschichte, ein Kuchen bleibt ein Kuchen.
Wirklich zu verfolgen sind nur drei Indikatoren:
Die Erfüllungsrate des NBM-Abkommens – kaufen die Kunden wirklich wie versprochen?
Der Kommerzialisierungsfortschritt von HBF – können die Muster im nächsten Jahr pünktlich geliefert werden?
Die Angebots-Nachfrage-Situation auf dem NAND-Markt – sind die Zyklen wirklich geglättet?
Diese drei Antworten wird man frühestens 2027 mit den ersten Daten sehen.
Bis dahin sind alle großen Kursanstiege und -rückgänge nur Emotionen des Marktes.
Zum Schluss:
SanDisk hat einen Kuchen gemalt, der erst 2028 eingelöst werden kann.
Bis dahin solltest du dir überlegen –
Glaubst du an diese Geschichte,
oder wartest du, bis der Kuchen fertig ist, um ihn zu essen?
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